Deutsche Telekom plant scheinbar Reise in die Vergangenheit

Begonnen von Takeshi, 26. März 2013, 20:05:38

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Takeshi

Die Telekom plant scheinbar 10 Jahre in die Vergangenheit zu reisen, zumindest was die verträge betrifft. Es kursieren Gerüchte, nach denen die Telekom plane von einer Flatrate zurück auf Volumentarife zu wechseln, wie es zu Beginn ds flechendeckenden Internets einmal war. Wer ein gewisses Volumen überschreitet, kann zusätzliches Volumen hinzubuchen, andernfalls wird die Leitung gedrosselt - so der Plan. Da es bei mobilem Internet derzeit gut funktioniert, hat man scheinbar eine Geschäftsidee für DSL-Anschlüsse gewittert. Wird alles übernommen, heißt der Volumentarif weiterhin "Flatrate", denn Volumentarif verkauft sich ja nicht so gut.

Technisch sinnvoll ist das nur bedingt. Da bei einem Großteil der Kunden zur gleichen Zeit angefangen wird das Volumen zu zählen, lasten über einen gewissen Zeitraum weiterhin alle Kunden die Leitungen voll aus. Gegen eine des Monats haben dagegen mehrere Leute ihr Limit erreicht und surfen langsamer. Das bringt den übrigen Kunden nur wenig, außer ihr DSL war vorher sehr langsam, was nicht Sinn der Sach wäre.

Bestehende Verträge sollen nicht betroffen sein (wird rechtlich sicher auch schwierig), aber es bleibt abzuwarten, ob nicht versucht wird bestehende Kunden vermehrt in neue Verträge zu drängen, natürlich am besten so, dass sie es gar nicht merken. Wird zum Beispiel die Geschwindigkeit des Anschlusses ohne Mehrkosten erhöht, wird ein neuer Vertrag abgeschlossen.

Weitere Details gibt es hier: heise.de Newsticker

grave_digga

Zum Glück bin ich seit nem halben Jahr bei Vodafone und hoffentlich machen die bei dem Spiel nicht mit. Wozu das gut sein soll weiss der Fuchs.
<- Der da ist gerne hier. :)

Takeshi

Bisher hab ich eigentlich immer recht viel von der Telekom gehalten, von vielen anderen Anbietern und auch Vodafone (hier schon allein wegen der nervigen Werbung) weniger. Aber bei der Telekom häufen sich die Schlagzeile. Erst muss ich lesen, dass die einem Kunden eine Rechnung von glaube um die 700€ stellen, weil ein paar Wochen der Webspace voller war als er gebucht hat und die bleiben an sich bei der Forderung. Und nun kommt der Mist.

Leider werden die anderen Anbieter mitziehen, die Chance werden die sich nicht entgehen lassen. Ich werde aber wechsel, sollte ich sonst zu einem vertrag mit Drosselung gezwungen werden.
Den Sinn einer Flatrate sollte denen aber noch mal einer erklären. Erst werden die damit, dass man immer gleich viel bezahlt, egal wie viel man surft, dann wird mit immer schnellerem Internet geworben, und nun darf man es nicht mehr nutzen, ohne extra dafür zu bezahlen.

grave_digga

Solange die dann die Einzigen sind bei denen das so ist werden genügend Kunden abwandern, soviel ist sicher. Aber ob die anderen dann nicht nachziehen (sobald sie die "Wechsler" abgegriffen haben) ist auch ungewiss. Wollen wirs mal nicht hoffen. Ich war jahrelang Telekomkunde aber die wollten mir weder höheres DSL buchen (6000, Fritzbox sagte 5200 wären möglich) noch wollten sie mir einen Preisnachlass (den Neukunden bekommen hätten) gewähren. Dann blieb mir nichts anderes übrig als zu wechseln. Seitdem mehr Speed und ca. 20€ im Monat weniger Kosten.
<- Der da ist gerne hier. :)

RalleBert

Zitat von: grave_digga am 26. März 2013, 21:02:01
Seitdem mehr Speed und ca. 20€ im Monat weniger Kosten.

Da wirds auch dran liegen, die Telekom ist in arger Bedrängnis. Die Aktie ist von knapp 105€ ca. 2001 bis heute stetig abgefallen, steht bei um die 8,40€. Die wollen oder eher müssen mit allen Mitteln Gewinn einfahren. Zudem werden auch die Kunden weiter abwandern, da die, wie grave_digga schon sagt, weniger Leistung für mehr Geld bringen.

- veni, vidi, ferruminavi -
- ich kam, ich sah, ich l?tete -

hide

Für VDSL Kunden (ohne Entertain) gibt es schon seit Jahren die Klausel im Vertrag, dass sich die Telekom das Recht vorbehält die Leitung auf 6mbit zu drosseln wenn ein bestimmtes Datenvolumen überschritten wurde, aber meines Wissens nach wurde das noch nie angewendet

Takeshi

Richtig, die Klausel gibt es da schon und wird aber nicht angewendet (steht auch in den News, meine ich), nur hat die Telekom ja nichts davon, wenn die einfach die Leitung drosseln. Die wollen Kohle machen und deshalb wird jetzt wohl geplant das auch wirklich zu nutzen und eben die Option anzubieten Volumen hinzuzukaufen (ab hier bringt es der Telekom etwas). Das ist der große Unterschied. Und hier will die Telekom ja unter 1 Mbps drosseln.

klesk

Schwere Zeiten werden anbrechen.
Ich geh auch davon aus das die anderen mitziehen werden, zumal die Telekom der einzige VDSL Anbieter ist, mal von den Kabelanbietern abgesehen.
Volumen ist das schlimmste was passieren könnte. Können sich bald nur noch reiche Menschen Youtube und Internetdownloads leisten. Updates und DLCs für Spielekonsole werden zum Luxusgut.
Wenn man es überlegt, die ganze Internetentwicklung basiert auf einem hohen Datenvolumen, die ganzen Streamingdienste und sonstige Dienstleitungen, es werden hoch auflösende Grafiken verwendet. Da hängt ein enormer Rattenschwanz dran.

Takeshi

Der Knaller ist ja, die Telekom baut ihre Leitungen aus, das DSL wird immer schneller. Da kein Mensch das schnelle DSL brauchte, mussten die irgendetwas erfinden, damit man es doch braucht: Entertain. Eigentlich die schwachsinnigste Erfindung seit dem Internet, aber das belastet das Netz halt gut. Und genau dafür (viel Auslastung) will man nun die Kunden extra zur Kasse bitten. Die wissen nicht, was die wollen.

Und das ist ja nicht das einzige Problem mit dem Internet. Die ganzen Provider sind ja ganz heiß drauf die Netzneutralität abzuschaffen, da das noch mehr Kohle (und keinen Nutzen für den Kunden) bringt. Und so, wie ich die Politiker kenne, lassen die sich die Notwendigkeit von den Providern schön einreden.

Klauserus


Oha wirklich zurück in die Steinzeit. Für wann haben die das denn geplant?
Mein erster gedanke war, Kampf gegen Raubkopierer. Kommt eben auf der Volumen drauf an. Klar gibt es Streamingangebote, Updates, DLC usw. aber niemand braucht so viel Traffic wie einer, der sich Software downloadet.

Ist das ganze überhaupt umsetzbar? So dumm sind die ja auch nicht. Die wissen doch, dass die restlichen Kunden wechseln werden. Wenn dann machen das alle. Dann bleibt nur auswandern :D und der Rest in Europa? Kann mir nicht vorstellen, das wir im Technikland Europas so einen Schritt zurück machen werden.

Anderer Gedanke war: die bekommen das mit Ihren Leitungen bzw. mit Ihrer Technik nicht gebacken und müssen die Leitungen entlasten. Bin auch T-Com Kunde und es hat über ein Jahr gedauert bis ich 16000 bekommen habe. Erst war es 3000. Dann war kein Port frei. Dann rauf auf 6000 RAM und als ich doch mal wieder vorbei geschaut habe: "ahhh ja, da haben wir jetzt eine neue Technik, jetzt gehts..."

Wollte ich einfach mal alles in den Raum werfen....
SCPH-7002
SCPH-7502
SCPH-5552
SCPH-39004 + Netzwerkadapter
SCPH-70004
SCPH-70004
..irgendwo muss noch eine FAT sein

DoggyDog

Also, meines Wissens nach ist es im Ausland auch nicht unüblich, dass ab einen gewissen Volumen die Geschwindigkeit gedrosselt wird. Habe auch bei Kabelkunden oft gehört, dass nach exzessiven Downloadsessions plötzlich die Downloadrate gedrosselt wurde.

Takeshi

Zitat von: Klauserus am 27. März 2013, 19:29:08
[...] und der Rest in Europa? Kann mir nicht vorstellen, das wir im Technikland Europas so einen Schritt zurück machen werden.

Wir sind in Sachen Netzausbau so weit hinten, dass wir in einigen Statistiken nicht mal mehr auftauchen.

Bei den Leitungen, die eine hohe Datenrate bieten, braucht man nichts drosseln, um die Leitung zu entlasten. Bei den langsamen Leitungen qualmt die Leitung, bis du so viel gesaugt hast, dass die Drosselung greift. Zumal ja wie gesagt am Anfang alle mit voller Datenrate laden können und da klappt es ja auch.

Klauserus

Zitat von: Takeshi am 27. März 2013, 19:46:11
Zitat von: Klauserus am 27. März 2013, 19:29:08
[...] und der Rest in Europa? Kann mir nicht vorstellen, das wir im Technikland Europas so einen Schritt zurück machen werden.

Wir sind in Sachen Netzausbau so weit hinten, dass wir in einigen Statistiken nicht mal mehr auftauchen.

Bei den Leitungen, die eine hohe Datenrate bieten, braucht man nichts drosseln, um die Leitung zu entlasten. Bei den langsamen Leitungen qualmt die Leitung, bis du so viel gesaugt hast, dass die Drosselung greift. Zumal ja wie gesagt am Anfang alle mit voller Datenrate laden können und da klappt es ja auch.

Echt? warum hat Deutschland das so verschlafen?
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SCPH-39004 + Netzwerkadapter
SCPH-70004
SCPH-70004
..irgendwo muss noch eine FAT sein

walkabout

Naja, wenn Du ein staatliches Unternehmen privatisierst, dann wird erstmal versucht, richtig Kohle zu machen.
Dabei wird erstmal auf Verschleiß gefahren. Neue Investitonen werden herausgezögert.
Mitarbeiter werden entlassen (vornehmlich die das Unternehmen viel Geld kosten aber nicht die Manager)
Teile des Unternehmens werden ausgelagert oder über Subunternehmer abgewickelt.

...und dann fragst Du Dich, wieso Deutschland noch mit Buschtrommeln kommuniziert????

Takeshi

Ich denke, das liegt vorallem an der Privatisierung. Dadurch wird nur noch gewinnorientiert ausgebaut. Das heißt auf dem Land wird nichts gemacht, denn das ist teuer und die wenigen Kunden bringen das kaum wieder rein. In der Stadt ist das umgekehrt, aber quersubventioniert wird nicht, ist ja nicht wirtschaftlich. In der Stadt wird aber auch kaum Glasfaser ausgebaut, da man lieber mit allen Mitteln versucht noch irgendwas aus der Kupferleitung zu kitzeln. Da legt man da lieber noch etwas drauf, denn der Glasfaserausbau kostet viel Geld mit einmal, bringt aber nicht so viel mehr Geld. Langfristig wird in der freien Marktwirtschaft ja selten gedacht. Wenn es sich in den nächsten 5 Jahren nicht schon rechnet, rechnet es sich nicht.

Ein weiterer Grund ist die schlechte Organisation. Zu oft buddelt irgendeiner die Straße auf, weil da ein Rohr neu gelegt werden muss oder die Straße neu gemacht wird und ein halbes Jahr später buddelt da die Telekom wegen einer Leitung, wenn die denn mal buddeln. Das ist nämlich mit Abstand der teuerste Posten beim Netzausbau. Würden die das mal absprechen, sähe die Sache ganz anders aus. Wenn irgendwo etwas offen ist, legen die da ihr Kabel lang und fertig. Aber daran ist nicht nur die Telekom schuld, sondern auch die Stadt. Die könnte a) die Telekom informieren oder b) selbst die Kabel legen (wird teilweise gemacht). Der Vorteil daran ist, die Leitung gehört dann der Stadt und die vermieten die, wie sie wollen. Und das bringt langfristig Geld. Passiert aber eben auch zu selten.