Verstärker restaurieren - Vintage Pioneer A-6

Begonnen von Dragoon, 03. September 2012, 12:15:03

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Dragoon

Hab gestern mal meinen Vintage Verstärker Pioneer A-6 zerlegt und gesäubert und bisschen gemoddet, damit er etwas newerdays ausschaut.
Hab ihm mal blaue LEDs verpasst und die Frontblende etwas gesäubert, schaut jetzt wieder wie neu aus.
Leider jedoch ist der Sound nicht mehr so dolle, der linke Kanal hört sich "etwas weiter weg an" und der linke "etwas dumpf". Und um überhaupt einen "guten" Klang zu hören, muss ich Treble schon auf +5 stellen und der Bass kommt auch nur noch wenn ich Loudness einstelle und Bass auf +5.

Auch wenn ich mir sicher bin, dass dieser noch nie geöffnet wurde, sind jede Menge verschiedene Caps verbaut, keine vom gleichen Hersteller.
Nur die BigCaps sind noch von Nichicon, 8200uF 56V.
Da ich gerne die ganzen Caps austauschen würde um wieder besseren Sound zu haben (Caps sind ja nun schon 30 Jahre alt), hab ich mich mal auf die Suche nach diesen gemacht. Leider habe ich keine passenden Caps gefunden ausser billige ELNA Caps (2 Stk. 12€) oder sehr teure Nichicon Gold Caps (2 Stk. 50€). Die ganzen anderen kleinen Caps haben auch so komische Werte, die man so nicht bekommt.
Gibts also extra "Audio Caps" und wo bekomm ich die her :???

Takeshi

Zitat von: Dragoon am 03. September 2012, 12:15:03
[...] damit er etwas newerdays ausschaut.

Bzw. auf altmodisch oder Deutsch "moderner" ::)

Zitat von: Dragoon am 03. September 2012, 12:15:03
(Caps sind ja nun schon 30 Jahre alt)

Die Dinger heißen Kondensatoren ;D Und dass die 30 Jahre alt sind, kann sogar gut sein. Oft haben so uralte Kondensatoren eine höhere Kapazität als ganz neu gekaufte, das bei gleicher Nenn-Kapazität.

Es gibt nicht wirklich spezielle "Audio-Kondensatoren", du wirst allerdings welche finden. Das ist dann aber eher homöopatisch, als dass es einen technischen Hintergrund hat. Im Audio-Bereich gibt es die größten Idioten, schlimmer als in irgendwelchen Sekten.
Was es gibt, sind gute Kondensatoren und schlechte. Kannst du mal auflisten, welche Kondensatoren da verbaut sind? Gibt es dazu ein Service Manual?

RalleBert

Zitat von: Takeshi am 03. September 2012, 19:37:55
Es gibt nicht wirklich spezielle "Audio-Kondensatoren"

[Klugscheißermodus] Es gibt bipolare Kondensatoren, die werden häufiger im Audiobereich eingesetzt, da die auch Wechselspannungen vertragen. Dann meist in Frequenzweichen. [/Klugscheißermodus]

- veni, vidi, ferruminavi -
- ich kam, ich sah, ich l?tete -

Takeshi

Ja, es gibt Kondensatoren, die bevorzugt im Audiobereich eingesetzt werden, aber die werden dann nicht nur da eingesetzt, es sind keine "Audio-Kondensatoren".

Dragoon


Takeshi

Ich seh da nur Standard-Elkos. Alles irgendwas mit 10, 22 oder 44 bei der Kapazität. Die Spannung ist immer 16V, 25V oder 50V, auch da geht es kaum normaler.

Dragoon

#6
Ich hatte gestern noch nicht das Diagramm durchgeschaut als ich es hier gepostet habe.
Aber es scheint mir dass hier doch schon Caps ausgetauscht worden sind, da die Elkos für die Kanäle im Diagramm 12000uF 56V sind und im Verstärker aber 8200uF 56V sitzen. Genauso wie die ganzen anderen kleinen Caps, dass sind auch nicht die, die dort im Datenblatt beschrieben sind, deshalb sag ich ja, dass diese so komische Werte haben.
Nun gut, da muss ich mir scheinbar mal ne Liste machen und alle bestellen und austauschen. Aber wo bekomme ich 12000uF 56V Elkos her  :???
Ich möchte Nichicon am Liebsten wieder einbauen...finde aber nur diese hierhttp://ep.yimg.com/ca/I/yhst-26587749712781_2200_2829022und die kosten schon 30$ pro Stk. aus Japan oder Thailand...

Wie sieht es eigentlich aus, wenn ich welche mit höherer uF oder/und Volt Angabe einbaue, ist dass so gut für mein Gerät?
Ich mein, die Ladeleistung ist ja nicht wirklich entscheidend, aber wie sieht es mit der Spannung aus?
EDIT: hat sich erledigt, hier wurde es sehr gut beschriebenhttp://www.elko-verkauf.de/low-esr-typen/90-low-esr-definitionen/264-andere-elkowerte.html?showall=1

Takeshi

Das hab ich mir auch gedacht, dass die da jemand ausgetauscht hat und du dann nach dem Plan die originalen einbauen solltest.

Und wie da schon erklärt wurde, höhere Spannung geht immer, höhere Kapazität nur manchmal.

Das mit den 12mF Elkos ist schon schwierig. Hab welche bei Farnell gefunden, aber auch nicht von Nichicon. Und günstig sind die da auch nicht. Aber es sind eben auch 12mF, die sind teuer, vorallem für 56V. Eventuell kannst du ja auch 50V verwenden, müsste man gucken.

Dragoon

Ne, auf der Elkoseite wo ich mich belesen hab, stand man sollte keine unter der Kapazität/ Spannung nehmen, schon gerade nicht Spannung.
Eine Stufe höher geht immer. Da die 56V Caps scheinbar schwer zu finden sind, werde ich also auf 63V ausweichen. Fragt sich nur welche jetzt noch gleichwertige Qualität wie Nichicon liefern...
Also mehr als 15€ pro Cap werd ich bestimmt nicht ausgeben wollen, denn die Nichicon Gold Reihe kostet ja gerade schon 20€ Stk.

Elko

Was hättest du gemacht, wenn auf der Elko-Seite gestanden hätte, dass man die haltbarkeit von Elkos verdreifachen kann, wenn man sie von einer Brücke wirft?

Nur zu deiner Information:
Die bei dir verwendeten Elkos haben offenbar ne maximale Nennspannungsfestigkeit von 56V. Mit was für Spannungen arbeitet der Verstärker denn intern? Meistens sind das 24 V oder 48 V. Das solltest du mal klären.
Normalerweise werden die Elkos in solchen Geräten bei der Spannungsfestigkeit mit 10 - 20% Überschuss ausgelegt. Im Worst-Case also 56 V * 0,9 = 50,4 V. Glaube aber eher nicht, dass das Gerät intern mit 50 V arbeitet.

Dann stellt sich die Frage der Kapazität:
Es kommt auf den Einsatzort an. Im NF-Weg kann eine zu große Kapazität filter verstimmen und den Frequenzgang verschieben. Bei der Leistungselektronik und beim Puffern ist das "eher egal", da geht auch ohne Probleme mehr.

Kleine Klugscheiß-Anmerkung: Diese Audio-Kapazitäten sind meist bipolare Elkos. @ Ralle: Abgesehen von Tantal und Elko (abgesehen von den Bipolaren) ist fast jede Kapazität bipolar.

Aber zurück zum Thema: Du solltest erstmal identifizieren WAS genau der Elko macht, bevor du wesentlich zu viel Geld für einen ach so teuren mit Gold bedampften (juhu wir erhöhen den elektrischen Widerstand zu gunsten der Haltbarkeit) Superhelden Kondensator da reinbaust. Denn > 5€ für eine Kapazität auszugeben ist schon wucher - auch hochwertige kosten nicht mehr. (Die ganzen "Audiophilen", die meinen, dass sie den unterschied bei "hochwertigen Kondensatoren" hören haben eh nen Schuss...)

Gruß
Der Selbige!

Takeshi

Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 11:04:44
Ne, auf der Elkoseite wo ich mich belesen hab, stand man sollte keine unter der Kapazität/ Spannung nehmen, schon gerade nicht Spannung.

"Auf der Seite steht aber" ... ich weiß schon, was ich sage, keine Angst. Ich kenn mich da etwas aus.

Danke Elko, genau meine Meinung ;D

Dragoon

Bei solch ausreichenden Test wie auf der Seite, kann man dem schon glauben schenken...

Keine Ahnung was der intern verwendet, aber hättest du den Thread aufmerksam gelesen, wär dir dasverlinkte Datasheet aufgefallen  ;)

Die Elkos werden mit 20% Überschuss ausgelegt.

Die hier sind für die Endstufen.

Leider kosten hochwertige schon mehr als die von dir behaupteten 5€, scheint mir nicht als ob du da sehr marktnah wärst...
Bei den Audio-Caps gehts so wie ich dass gesehen hab speziell um low ESR.

Takeshi

Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 18:48:58
Bei solch ausreichenden Test wie auf der Seite, kann man dem schon glauben schenken...

Das heißt leider auch nichts. Andere machen ausführliche Tests und Beobachtungen zu UFOs, gesegnetem Wasser, Beeinflussung von Orgnismen durch elektromagnetische Strahlung, schlechtem Karma in der Wohnung, Geisteraustzreibung, Flüchen ... alles trotzdem nicht so sehr glaubwürdig, wenn der gesunde Menschenverstand schon ausreicht, um das zu erkennen.

Hab da wie gesagt auch schon genug erlebt, was den Audiobereich betrifft. Das wird teilweise hochgradig "professionell" gemacht und ist trotzdem Bullshit, weil die Erklärungen lückenhaft sind und die Tests einige Sachen ausblenden. Aber ich hab keine Lust diese Diskussion darüber, was wie viel bringt, nicht bringt und warum nicht unbedingt ausgiebig führen, denn das Ausmaß ist riesig, um das alles jemandem beizubringen, der a) kaum Hintergrundwissen hat und b) es sowieso nicht glauben will.

Ja, Low-ESR ist da höchstwahrscheinlich das, worauf es ankommt. Aber an sich sind solche guten Elkos auch nicht teurer als 5€. Teuer wird es nur bei sehr hohen Kapazitäten, was bei den zwei Elkos hier der Fall ist.
Der Preis hängt aber auch sehr von der Bezugsquelle ab, ob man nun Endverbraucher ist, oder sich den Kram bei Großhändlern besorgt.

In dem Datenblatt wird eine Spannung von "49 (40)" angegeben. Wäre vielleicht sinnvoll die Spannung mal zu messen. Wenn es 49V sind, kannst du keine 50V-Elkos nehmen. Sind es aber nur 40V, geht das schon.

Dragoon


grave_digga

<- Der da ist gerne hier. :)