Autor Thema: Prozedur eines professionellen Reflow bei XBox360? (Temperaturen, Zeiten...)  (Gelesen 5169 mal)

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Tobias Claren

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Hallo.

Gibt es eine Detaillierte Anleitung in der die Prozedur eines Reflow (IR-Reflow, für Hot-Air-Unterstützung fehlt mir ein Haltearm, könnte aber von Hand draufhalten) bei einer XBox360 in allen Einzelheiten aufgeführt ist.
Dass muss nicht sehr viel sein, aber alle Temperaturen und Zeiten in Listenform in der richtigen Reihenfolge. Ein "Rezept".
Da wäre die Temperatur unter dem Chip auf der Boardunterseite, die Temperatur auf dem Chip selbst, die Zeiten wie lange welche Temperatur gehalten werden soll etc..

Aktuell wäre es ein E73, da soll anscheinend der Southbridge-Chip verantwortlich sein.



Danke...
« Letzte Änderung: 08. November 2015, 13:05:10 von Tobias Claren »

Takeshi

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Das ist im Groben und Ganzen überall gleich. Die Lötkugeln müssen mindestens 225 °C erreichen. Da die Temperatur dabei nur von oben oder unten kommen kann, ist der Chip etwas heißer, da wirst du also schon 225 bis 230 °C haben, während das Board so um die 200 °C bis 220 °C haben sollte. Kommt dabei immer drauf an, wie viel Hitze die Bauteile auf dem Board aushalten.

Das ist bei der PS3 so, bei der Xbox 360 und auch bei PC-Mainboards, Grafikkarten oder Fernseher-Platinen.

Tobias Claren

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Zitat
Temperatur dabei nur von oben oder unten kommen kann


Von oben UND unten zugleich.

Von unten Keramik, von oben Infrarot (mittlere Wellenlänge glaube ich).
Zusätzlich hätte ich noch einen einfachen geregelten Heißluft-Lötkolben (Klotz mit Schlauch...), aber keine Halterung dafür.

Temperaturen per Dual-Digital-Thermometer mit per Kaptonband angeklebten (auf den CHip, und die Platinenunterseite unter dem Chip) K-Typ-Temperaturfühlern.
Dazu wässriges Flussmittel.


Erhitzen muss ich also nur den einen Chip.

Takeshi

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Keramik ist nur eine Möglichkeit Infrarot-Licht zu erzeugen. Wichtig ist, dass du von unten das Board vollständig erhitzt, von oben den Chip einzeln, um ihn etwas heißer als den Rest zu bekommen. Erhitzen musst du nicht nur den Chip, sondern alles, da du sonst einen zu großen Temperaturdrift bekommst.

Eine Halterung für den Heißluftfön hab ich auch nicht, wozu? Ich hab einen funktionierenden Arm mit Hand. Wichtiger ist eine Düse zur Verteilung der Luft. Heißluft-Lötkolben kannst du dafür total knicken, da die Vorverteilung schon total mies ist. Eine Ausnahme wäre natürlich, wenn das Teil dafür konstruiert ist und die Heißluft vernünftig verteilt, aber das trifft in der Regel nicht zu.

Die Temperatur misst du also nicht direkt auf dem Chip, sondern nur neben dem Chip auf dem Board? Da hast du natürlich andere Temperaturen, durch die du Rückschlüsse auf die Temperatur des Chips ziehen musst. Das ist schwieriger und etwas boardabhängig.

Tobias Claren

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Es ist Keramik von unten.
Aber kein IR.

IR ist von oben die "Lampe".
Hier ein Foto: http://i.ebayimg.com/00/s/NTAwWDUwMA==/z/pfwAAOxyOlhSuL3n/$_3.JPG?set_id=2

Die Keramik-Unterhitze-Fläche hat evtl. 8cm x 6cm.
Wenn es um den "Temperaturdrift" zwischen Ober- und Unterseite geht, dafür wird ja extra von unten mit bzw. vorgeheizt.


Zitat
Heißluft-Lötkolben kannst du dafür total knicken, da die Vorverteilung schon total mies ist.


Da kann eine Heißluftpistole aber nicht besser sein :??? .

Der Lötkolben ("Reflow-Station": http://g03.a.alicdn.com/kf/HTB1OCUYIXXXXXX6aXXXq6xXFXXXj/Supply-Deli-excellent-TNI-U852-dual-digital-display-hot-air-gun-ESD-rework-station.jpg ) hat runde Düsen in mehreren Größen.
Wenn ich wollte könnte ich evtl. auch eine viereckige Düse draufsetzen.
Müsste ich nur passend kaufen.
Für die CPU gäbe es die Düsen auch bei eBay für ich glaube um 11-13 Euro.
Aber nicht gerade für den kleinen SB-Chip.

Aber da soll ja gerade IR-Licht von Vorteil sein.



Die Temperatur würde ich wie geschrieben natürlich direkt auf dem Chip messen.
Thermometer, ist ein "TASI-8620" ( http://www.china-tasi.com/uploads/allimg/140508/1-14050Q50J9.jpg ) für €11,13 Portofrei.
Den Messfühler mit Kapton-Klebeband drauf geklebt.
Das Gleiche von unten mit dem zweiten Messfühler (2-Kanal-Thermometer).

Daher könnte ich hier ein "Rezept" wie mit einer großen Profistation (die eigene Messfühlereingänge hat, und Temperatur und Zeit für beide Seiten automatisch regelt) versuchen, ich muss nur mehr von Hand machen, stoppen etc..
« Letzte Änderung: 08. November 2015, 17:22:44 von Tobias Claren »

Takeshi

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Die Keramik gibt die Wärme über Infrarot ab. Du kannst IR halt über verschiedene Wege erzeugen.

Es geht um den Temperaturdrift zwischen verschiedenen Stellen auf dem Board und es war auf den Fall bezogen, dass nur der Chip erhitzt wird.

Wieso sollte eine Heißluft-Lötstation besser sein als ein Heißluftfön? Aus beiden kommt heiße Luft. Bei beiden ist die Temperatur sowohl über die Zeit als auch über die Fläche ziemlich konstant. Der Unterschied liegt aber in der Größe der Fläche und im Luftstrom. Die Fläche ist beim Heißluftfön viel größer, dafür ist der Luftstrom fast schon zu hoch. Aber das ist auch vom Fön abhängig.

Ich weiß, dass es dafür viereckige Düsen gibt, aber das heißt ja noch lange nicht, dass die Wärme damit gleichmäßig verteilt ist. Ich habe so eine Düse mal bekommen und die Verteilung war danach ungefähr so, wie sie aus einem Heißluftfön schon herauskommt. Für die SB mag das vielleicht noch reichen, aber die CPU und GPU sind dafür zu groß.

Du kannst doch nicht den Fühler auf den Chip kleben. Damit schirmst du den Chip an der Stelle doch vor dem Erhitzen ab.

Eine große Station geht auch nicht nach Zeiten, sondern nach Temperaturen.

Tobias Claren

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Der Durchmesser bei der Heißluftpistole ist auch nicht automatisch größer als beim "Lötkolben".
Das sind sicher gut 20-25mm.

Ich kann den Luftdurchfluss regeln.
Könnte theoretisch auch eine Düse draufsetzen die größer ist als der Durchmesser des "Blasrohres". Wenn die Düse innen entsprechend gebaut ist, wird bei erhöht eingestelltem Luftstrom auch gleichmäßig auf die größere Fläche die normale Menge Luft ausgegeben.

Es scheint auch Qualitätsunterschiede bei den Düsen zu geben.
Ist da innen nichts drin, mag die ungleiche Verteilung stimmen. z.B. bei 40x40mm und 20mm eigentlichem Blasrohrdurchmesser.
Sind da feine Kanäle drin, die es wirklich gleichmäßig verteilen sollte es besser sein.






Zitat
Eine große Station geht auch nicht nach Zeiten, sondern nach Temperaturen.

Das schrieb ich ja.
Sie misst ständig die Temperatur, aber hält wohl ab bestimmten Temperaturwerten diese auch schon mal für eine vorgegebene Zeit.
Das "Profil" eben.



Hier setzt jemand die Station ein:
https://www.youtube.com/watch?v=6KdykAIlgGo


Aber ohne Temperaturüberwachung etc..
Zumindest Flussmittel.

Takeshi

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Habe gerade mal an meiner Station und meinem Heißluftfön gemessen. Bei beiden ist das Loch ca. 18 mm im Durchmesser, beim Heißluftfön etwas mehr Masse drum als bei der Station. Der Heißluftfön verwirbelt aber besser. Ich kann dir nur meine Erfahrung nennen und da war der Station dafür völlig untauglich. Ich habe das auf Papier mittels Verfärbung überprüft.
Dass die Düse größer ist, ist klar, schließlich ist der BGA ja auch größer. Genau da liegt aber das Problem, du kannst nicht auf eine beliebige Größe erweitern. Wenn du da eine Düse mit 10 cm x 10 cm verwendest, erhitzt du auch keine Fläche von der Größe, sondern nur einen kleineren Teil, weil du die Luft mit der Düse nicht so weit verteilt bekommst. Dass es die Düse von irgendwelchen chinesischen Herstellern zu kaufen gibt bedeutet nicht, dass es auch funktioniert. Ich habe zwei Düsen, sicherlich nicht repräsentativ, aber die sind beide gleich aufgebaut und die sind innen eben nicht so konstruiert, dass die Luft dort ordentlich verwirbelt wird (Kanäle oder Wände). Klar, technisch möglich, aber ob das auch gemacht wird? Ich habe meine Zweifel, zumindest, wenn es von keinem namenhaften Hersteller kommt.

Klar kannst du den Luftstrom regeln, habe ich nicht angezweifelt. Habe ja auch gesagt, bei den Stationen ist das besser, da ein Heißluftfön oft einen zu hohen Luftstrom hat, auch auf der niedrigsten Stufe. Wenn du mal Dampf brauchst, bietet so eine Station (zumindest meine) aber auch wieder fast zu wenig.

Zitat
Eine große Station geht auch nicht nach Zeiten, sondern nach Temperaturen.

Das schrieb ich ja.
Sie misst ständig die Temperatur, aber hält wohl ab bestimmten Temperaturwerten diese auch schon mal für eine vorgegebene Zeit.
Das "Profil" eben.

Ich bezog es darauf, dass du es händisch machen wolltest und dafür Zeiten beachten willst, so hatte ich es zumindest verstanden, aber wohl missverstanden, wenn ich das gerade noch mal lese.

Die Station ist dafür eh Käse, da der Preheater viel zu klein ist. Das reicht nicht für so große Boards wie PS3 und Xb360.

we3dm4n

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VORWEG: Die verlinkte Station taugt für solch große Board überhaupt nicht! Die IR Lampe ist auch viel zu klein!
Wenn du von oben mit IR arbeitest musst du viel mehr Vorarbeit leisten, d.h. empfindliche Bauteile (bspw. im Bereich der SB die Elkos) abkleben.

Zitat
Dass muss nicht sehr viel sein, aber alle Temperaturen und Zeiten in Listenform in der richtigen Reihenfolge. Ein "Rezept".
Da wäre die Temperatur unter dem Chip auf der Boardunterseite, die Temperatur auf dem Chip selbst, die Zeiten wie lange welche Temperatur gehalten werden soll etc..

Aktuell wäre es ein E73, da soll anscheinend der Southbridge-Chip verantwortlich sein.
Das kommt aufs jeweilige Board an, wie Takeshi schon schrieb.
Zuerst solltest du das Board auf eine Grundtemperatur bringen - ca. 100°C, d.h. Masse - sollte über den gesamten Zeitraum gehalten werden.

Erst dann sollte zusätzlich von oben geheizt werden.
Schöner wäre natürlich eine 3 Zonen System, sodass ein zusätzlicher Heater von unten punktuell erhitzt. -> Bsp. Scotle IR360 Pro v3

Ein E73 kann ebenso eine defekte GPU sein und JA, manchmal läuft die Konsole trotzdem nach einem Rework - heißt aber nichts.
Wo hast du die Info her? - Was es mit größerer Wahrscheinlichkeit sein KÖNNTE hängt ABSOLUT von der Board-Revision ab.

Wässriges Flussmittel? Bloß nicht ...
Wenn, dann sollte das Flussmittel in Alkohol o.Ä. gelöst sein - Wasser wäre an den Stellen eher kontraproduktiv.
Du solltest auch eher über Fluxpaste nachdenken.



Tobias Claren

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@ Takeshi

Natürlich will ich Zeiten beachten.
Temperaturen und Zeiten in Kombination und Reihenfolge.

Beispiel:
Von unten auf bestimmten Wert X Grad heizen, und warten bis der Wert oben auf dem Chip einen bestimmten Wert erreicht hat?
Dann Flux drunter, und von oben eine bestimmte Zeit X Grad heizen.
Z.B. bis die Temperatur des Sensor den Wert erreicht hat, und dann X Zeit.
Evtl. auch unter Angabe ob man auch auf den möglicherweise steigenden Wert unten achten soll.


Die einfachen "Preheater" sind bei Ebay etc. gar nicht mal (gebraucht) verbreitet. Da fände man eher noch eine gebrauchte IR-Station wie vorhanden.
Wohl auch ein Grund warum gerne japanische Grills eingesetzt werden...
Aber auch die Herdplatte.
Hat man Induktion ist das aber auch nicht möglich.
Außer man hätte eine Platte die man da auflegen könnte.
Wenn sicher ist, dass da keine Induktionsströme noch über der Platte Elektronik beschädigen würden.




Was die Verteilung angeht, man kann als Düsenhersteller schon Kanäle einbauen, die den runden 18mm-Luftstrom gleichmäßig auf "10x10cm" verteilen.
Da käme es dann nur darauf an, dass man genug Luftstrom hat, weil der ja auf eine größere Fläche verteilt würde.

Haben die beiden Düsen wenigstens ein Gitter mit Löchern drin?
Das bringt nichts, bzw. nicht genug?


Ich finde eh nicht viel zu den Düsen, als dass ich im Internet einen optischen Vergleich mit teuren Düsen machen könnte.




@ we3dm4n

Selbstverständlich die Umgebung abkleben.
Auch bei einer eckigen Düse bläst der Luftstrom irgendwo hin, z.B. seitlich weg.




"Wäßriges Flussmittel" meint natürlich nicht mit "Wasser". So etwas gibt es soweit ich weiß gar nicht :-) .
Das "ig" steht da im Deutschen für eine "Artigkeit". Also die Art wie es sich verhält.

Ecowave 23 NoClean FLux.
Contains Propan-2-ol (UN1219)
(Low Rosin content)


Die Info E73 stammt vom Bildschirm.




"Ein E73 kann ebenso eine defekte GPU sein und JA, manchmal läuft die Konsole trotzdem nach einem Rework - heißt aber nichts."


Wenn man nur eine einzige Stelle erhitzt, kann man zumindest ausschließen dass zufällig eine andere Stelle, ein anderer Chip z.B. durch das großflächige Aufheizen von unten wieder funktionieren.
Z.B. die GPU, wenn man eigentlich nur die SB richtig behandelt hat.

Kann es die GPU sein, wenn man die Fehlermeldung ohne Grafikfehler (Streifen etc.) sieht?

Angeblich erscheint die ja auch, wenn eigentlich nur die Netzwerkfunktion nicht funktioniert.
Die man evtl. gar nicht nutzt. Zumindest nicht für alle Spiele.

we3dm4n

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Die Bildschirmanzeige ist schon sowas wie ein Notlauf, d.h. geringer Grafikaufwand - gerade da werden also in den seltensten Fällen Grafikfehler vorkommen.

Wie wäre es wenn du mal aufhörst mit Infos zu geizen? -> Boardrevision!

Ecowave 23:
Zitat
No Clean, rosin activated flux optimised for Sn63 operations using Soltec and electrovert dual wave soldering equipment. Ecowave 23 offers improved through hole and SMT wetting, whilst offering the minimum of post soldering residues.
Für dein Vorhaben also schon allein vom Hersteller aus ungeeignet.