Netzwerk-Patchkabel selber herstellen

Begonnen von RalleBert, 06. Januar 2012, 20:39:03

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RalleBert

Hier soll natürlich nicht beschrieben werden, wie ein Kabel hergestellt wird, sondern wie man es selber konfektioniert, also die Stecker nach den eigenen Bedürfnissen anbringt. Dies kann einen Vorteil gegenüber einem fertigen, gekauften Kabel haben, wenn es z.B. durch Leerrohre oder kleine Bohrungen gezogen werden soll, durch die der Stecker nicht passt, oder es eine Länge haben soll, die so nicht zu kaufen ist, oder wenn man eine spezielle Konfiguration des Kabels haben möchte. Hier wird gezeigt, wie ein 1:1 verdrahtetes Kabel für bis zu 1000Mbit angefertigt wird.

Dazu sollte folgendes vorhanden sein:

Netzwerkkabel, möglichst flexibel - je nach Anforderung als geschirmtes (STP/S-STP) oder ungeschirmtes (UTP)
RJ45 Stecker, 8P8C, je nach Anforderung mit oder ohne Schirmung (Danke, hide, für die Stecker!)
(Cutter)Messer
Seitenschneider
Crimpzange für die RJ45 Stecker
Wenn vorhanden ist ein günstiges Testgerät für LAN-Kabel parktisch, muß aber für die Herstellung von ein, zwei Kabeln nicht extra angeschafft werden. Zur Not kann man das Kabel mit dem Multimeter testen oder einfach ausprobieren.


0: Jetzt kann es losgehen, Kabel auf die gewünschte Länge zuschneiden, nach Bedarf verlegen, Stecker auspacken.



1: Wenn eine solche Knickschutztülle beiliegt, sollte die vor allen anderen Schritten auf das Kabel gesteckt werden.



2: Dann mit dem Cuttermesser oder einem speziellen Abmantelwerkzeug den Mantel des Kabels einschneiden und entfernen. Dabei nur den Kunststoff schneiden, nicht in die (hier blaue, kann bei anderen Kabeln andersfarbig oder auch gar nicht vorhanden sein) Abschirmung schneiden. Das abgemantelte Stück sollte ca. 3 Finger breit sein.



3: Die Schirmung (falls Vorhanden) zurückklappen, die einzelnen Adern des Kabels sind jetzt Sichtbar.



4: Den Beidraht (falls Vorhanden) um die Schirmung wickeln, die Folie um die einzelnen Adernpaare entfernen.



5: Nun die Verdrillung der einzelnen Adernpaare entdrillen, zum glätten kann man die Drähte über einen Kugelschreiber- oder Bleistiftschaft ziehen.



6: Nun müssen die Drähte noch sortiert werden, dies sollte ein Kabel gemäß TIA 568A werden, jedoch sind hier die Farben nicht ganz korrekt. Im Bild sind die vollen Farben mit den halben Farben getauscht, die eigentliche Reihenfolge stimmt. Es sollte also folgende Reihenfolge gewählt werden: weiß/grün- grün, weiß/orange - blau, weiß/blau - orange, weiß/braun - braun. [Daneben gibt es u.a. auch den Standard 568B, lediglich sind die orangen mit den grünen Drähten vertauscht, Farbfolge also: weiß/orange - orange, weiß/grün - blau, weiß/blau - grün, weiß/braun - braun.] Die Farben müssen nicht eingehalten werden, damit das fertige Kabel funktioniert, aber es macht eine evtl. nötige Fehlersuche einfacher. Eingehalten werden muß die Konfiguration, also Paar 1 in der mitte, Paar 2 "umschließt" dieses, Paar 3+4 links und rechts daneben (siehe Bild).



7: Wenn die Drähte korrekt sortiert sind, werden sie mit dem Seitenschneider auf die benötigte Länge gekürzt. Die Länge ist vom jeweilig verwendeten Stecker abhängig und kann varirieren. Lieber erstmal zu wenig abschneiden und wenn nötig nachschneiden.



8: Den Stecker auf die vorbereiteten Drähte schieben, diese sollten alle bis ans Ende des Steckergehäuses reichen, die Mantelhülle sollte in die Zugentlastung reichen. Die Kontakte müssen dabei nach oben zeigen, um den Standard zu erfüllen. So sieht das dann in etwas aus:



9: Den Stecker nun in der Crimpzange verpressen. Darauf achten, das das Kabel nicht wieder rausrutscht. Daher vor dem Zudrücken nochmal vorne in den Stecker schauen (wenn die Zange es zuläßt) und evtl. korrigieren.



10: Die Knickschutztülle zurückschieben, fast fertig.



Das ganze muß nun natürlich auf der anderen Seite des Kabels genauso gemacht werden. Der Stecker wird auf der zweiten Seite ganz genau so montiert, wie auf der ersten, gleiche Adernsortierung, Kontakte nach oben, sonst funktioniert es nicht! (Vgl. Schritt 7/8). Wer sein fertiges (nicht verlegtes) Kabel prüfen will, kann das schon mit einem Multimeter bewerkstelligen:
Beide Stecker wie im Bild von Schritt 8 vor sich legen, möglichst von einer weiteren Person so festhalten lassen. Optische Kontrolle: Die Farbreihenfolge beider Stecker muß gleich sein. Elektrische Kontrolle: Das Multimeter wahlweise auf Durchgangstest (Piepser) oder Widerstandsmessung einstellen und an einem Stecker jeden Kontakt gegen den jeweiligen der Gegenseite prüfen --> es darf nur Durchgang zu diesem Kontakt haben, zu keinem anderen und auch nicht gegen die Schirmung. Wenn alles OK ist, kann das Kabel in Betrieb genommen werden.


Ich hoffe es ist nachvollziehbar und kann dem ein oder anderen von Nutzen sein.


Info: Wer ein 100Mbit Crossoverkabel haben möchte, muß nur auf der einen Seite nach Standard 568A und auf der anderen nach Standard 568B verdrahten.

Hinweis: Ein solches Kabel sollte nicht mehr als 100 Meter lang sein, dies kann zu Störungen führen.

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Super Tutorial. Wenn bei mir mal wieder was ansteht kann ich auch noch eine Bebilderung beisteuern wenn man Stecker mit Kämmen hat  ;D

otisdriftwood

Ich nehm immer sowas hier als Stecker, da braucht man keine Crimpzange für.

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#3
find ich etwas zu teuer  ;D

naja eine Crimpzange kostet 5€ und 100 Stecker inkl. Tülle und evtl. Kämmen für ca. 10€

RalleBert

Jo, da warst Du schneller... 50 nackte Stecker in China 3,31€, Zange 5-10€. Da hab ich beim zweiten Stecker die Zange wieder raus. Sollte der Phoenix nicht wiederverwendbar sein, tut ein "verballerter" Stecker mal richtig weh :P Aber feine Teile sind es allemal. Ähnlich den Telegärtner Kupplungen für modulare Patchpanele, da braucht man höchstens ne Kombizange.

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ich hab das was meine Zange gekostet hat schon lange wieder raus  ;D bei mir ist jetzt die zweite 50er Tüte mit Steckern fast leer.

Ausschuss: 2 Stück, da hab ich geschlampt  :smack

otisdriftwood

Klar, sind etwas teuer, aber ich brauch die nicht so oft und die Stecker kannst auch wiederverwenden.