Autor Thema: [Test] Aoyue Lötstation 936A  (Gelesen 8889 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Takeshi

  • Administrator
  • Lv 99: Freak
  • *****
  • Online Online
  • Beiträge: 29059
  • Geschlecht: Männlich
    • Profil anzeigen
    • trisaster.de
[Test] Aoyue Lötstation 936A
« am: 05. November 2008, 01:00:00 »
Lötstationen von Aoyue haben den "Ruf" günstig und trotzdem gut zu sein. Dem wollte ich mal nachgehen. Selbst bin ich die Qualität von Weller gewohnt, die aber einiges mehr kosten... zu viel für die meisten Hobby Bastler.
Nur ist es so, dass eine günstige Lötstation ja nicht besser wird, wenn man sie nur selten braucht. Ein 20€ Lötkolben ist für einen Umbau ungeeignet, unabhängig davon, ob nach dem Umbau noch 50 weitere folgen.

Dieser Test soll deshalb Hobby Bastlern bei der Suche nach einem Lötkolben bzw einer Lötstation erleichtern.


Herstellerlink:
Aoyue 936A

(Technische) Daten:
Heizleistung Lötkolben: 60W
Temperaturbereich: 200°C - 480°C
Mitgelieferte Spitze: ca. 0,8mm x 0,5mm
Straßenpreis: 70€ bis 80€ zzgl. Versand

Kleines Vorwort:
Es geht das Gerücht rum, dass man einen Lötkolben für feine Lötarbeiten (wie Konsolen Umbauten und Reparaturen) wenig Leistung haben muss, da sonst schnell etwas kaputt geht. Das stimmt so überhaupt nicht. Die Leistung ist dafür wichtig, dass die Spitze schnell heiß wird und auch unter Wärmeabführung heiß bleibt, wenn man also an größeren Kontakten lötet. Hat der Lötkolben zu wenig, kühlt der Lötkolben zu schnell ab, man gerät aus dem idealen Temperaturbereich heraus und die Lötstellen werden schlechter. Deshalb kann mehr Leistung nie schaden.
Temperaturbereich ist bei 380°C bis 400°C am besten.

Der Test:
Also mein erster Eindruck beim Auspacken war "billiger China Kram", riecht auch stark so. Es sind viele gute Ideen drin, nur die Umsetzung kommt mir nicht so hochwertig vor. Ein wenig "Spielzeug-mäßig"...
- Das komplette Gehäuse der Station ist aus Kunststoff, der Kunststoff wirkt nicht sehr widerstandsfähig, wenn auch stabil.
- Das Kabel des Lötkolbens ist über einen Stecker mit der Station verbunden, der Stecker wird verschraubt. Das ist gut!
- Das Kabel vom Lötkolben zur Station ist hitzebeständig, auch gut.
- Am Griff vom Lökolben ist ein Kunststoffüberzug, der vor Hitze schützt, auch gut.
- Lötspitzen lassen sich gut wechseln, die Mechanik dafür wirkt solide.
- Die Größe ist optimal für SMD. Größer wäre schlecht, aber kleiner vereinfacht das Löten auch nicht.
- Der Kolbenhalter ist komplett Metall (und sieht nicht so aus, wie auf der Seite!). Etwas blöd ist, dass die Spitze gegen das Metall kommt, wenn er nicht 100%ig richtig in der Halterung sitzt.
- Unten ist ein Schwamm, wichtig, aber er ist bei mir zu groß. In der Mitte ist ein Loch, wodurch sich die Spitze besser reinigen lässt.

Das war die optische Begutachtung, nun der Test im Einsatz.
- Nach 38 Sekunden ist der Lötkolben bei 400°C angelangt, was übrigens eine LED anzeigt. Er heizt damit zügig genug.
- Das Löten erwieß sich anfangs als sehr schwierig. Die Spitze nahm das Lötzinn nicht gleichmäßig an. An der Spitze war nichts, das Lötzinn sammelte sich um die Spitze drum herum, wo man es beim Löten nicht gebrauchen kann. Nachdem ich die Spitze aber einige Zeit mit Lötzinn bearbeitet hab, gings aber.
- Löten lässt sich mit dem Lötkolben gut. Ich hab versucht ein Kabel am GC2-D2* Chip aus einem Wii Laufwerk zu löten (ca. 0,5mm Beinchenabstand), war kein Problem, ließ sich locker löten. Ich denke was feineres kommt einem selten in die Finger.

Und weiter?
Was oft nicht bedacht wird, ist die Tatsache, dass eine gute Lötstation allein nicht alles ist. Die Auswahl an Zubehör ist ebenfalls sehr wichtig. Was nützt einem eine hochwertige Lötstation, wenn es nicht die Lötspitze gibt, wie man braucht? In diesem Punkt kann Aoyue punkten, es gibt ein recht großes Sortiment an Lötspitzen.


Fazit:
Ich würde die Lötstation als "Mitteklasse" einstufen. Wie gesagt wirkt das alles etwas "pissig", aber gut, muss man drüber weg sehen und sich nicht dran stören. Für den Löteinsatz an sich ist diese Station ja gut geeignet. Der Preis ist zwar kein Kleingeld, aber dennoch Hobbyfreundlich. Wem diese Anschaffung zu teuer ist, der sollte ernsthaft drüber nachdenken, wie sehr er (sie) in diesen Bereich einsteigen will und ob er es nicht besser lassen sollte.
Mit einer Weller Station kann die Aoyue 936A nicht mithalten, aber zu einer Weller Station muss man dann wirklich nur greifen, wenn man wirklich sehr viel löten will.

Die anderen Stationen von Aoyue:
Aoyue bietet insgesamt 4 Stationen an.
- 936: analog, 35W
- 926A: analog, 60W
- 937: digital, 45W
- 937+: digital, 45W, "Touch Pad Contol"

Mit 45W waren mir zu wenig, zumal ich eine digitale Anzeige beim Lötkolben nicht so mag. Lässt sich irgendwie nicht so schön ablesen, die Genauigkeit "stört" da irgendwie. Ob das nun 392°C oder 394°C sind, ist sowas von egal, aber man liest es dennoch ab. Aus diesen beiden Gründen hab ich mich für die große Analoge entschieden.