Hab gestern mal meinen Vintage Verstärker Pioneer A-6 zerlegt und gesäubert und bisschen gemoddet, damit er etwas newerdays ausschaut.
Hab ihm mal blaue LEDs verpasst und die Frontblende etwas gesäubert, schaut jetzt wieder wie neu aus.
Leider jedoch ist der Sound nicht mehr so dolle, der linke Kanal hört sich "etwas weiter weg an" und der linke "etwas dumpf". Und um überhaupt einen "guten" Klang zu hören, muss ich Treble schon auf +5 stellen und der Bass kommt auch nur noch wenn ich Loudness einstelle und Bass auf +5.
Auch wenn ich mir sicher bin, dass dieser noch nie geöffnet wurde, sind jede Menge verschiedene Caps verbaut, keine vom gleichen Hersteller.
Nur die BigCaps sind noch von Nichicon, 8200uF 56V.
Da ich gerne die ganzen Caps austauschen würde um wieder besseren Sound zu haben (Caps sind ja nun schon 30 Jahre alt), hab ich mich mal auf die Suche nach diesen gemacht. Leider habe ich keine passenden Caps gefunden ausser billige ELNA Caps (2 Stk. 12€) oder sehr teure Nichicon Gold Caps (2 Stk. 50€). Die ganzen anderen kleinen Caps haben auch so komische Werte, die man so nicht bekommt.
Gibts also extra "Audio Caps" und wo bekomm ich die her :???
Zitat von: Dragoon am 03. September 2012, 12:15:03
[...] damit er etwas newerdays ausschaut.
Bzw. auf altmodisch oder Deutsch "moderner" ::)
Zitat von: Dragoon am 03. September 2012, 12:15:03
(Caps sind ja nun schon 30 Jahre alt)
Die Dinger heißen Kondensatoren ;D Und dass die 30 Jahre alt sind, kann sogar gut sein. Oft haben so uralte Kondensatoren eine höhere Kapazität als ganz neu gekaufte, das bei gleicher Nenn-Kapazität.
Es gibt nicht wirklich spezielle "Audio-Kondensatoren", du wirst allerdings welche finden. Das ist dann aber eher homöopatisch, als dass es einen technischen Hintergrund hat. Im Audio-Bereich gibt es die größten Idioten, schlimmer als in irgendwelchen Sekten.
Was es gibt, sind gute Kondensatoren und schlechte. Kannst du mal auflisten, welche Kondensatoren da verbaut sind? Gibt es dazu ein Service Manual?
Zitat von: Takeshi am 03. September 2012, 19:37:55
Es gibt nicht wirklich spezielle "Audio-Kondensatoren"
[Klugscheißermodus] Es gibt bipolare Kondensatoren, die werden häufiger im Audiobereich eingesetzt, da die auch Wechselspannungen vertragen. Dann meist in Frequenzweichen. [/Klugscheißermodus]
Ja, es gibt Kondensatoren, die bevorzugt im Audiobereich eingesetzt werden, aber die werden dann nicht nur da eingesetzt, es sind keine "Audio-Kondensatoren".
Hier das ServiceManual http://dl.dropbox.com/u/26577053/pioneer_a5_a6.pdf (http://dl.dropbox.com/u/26577053/pioneer_a5_a6.pdf)
Ich seh da nur Standard-Elkos. Alles irgendwas mit 10, 22 oder 44 bei der Kapazität. Die Spannung ist immer 16V, 25V oder 50V, auch da geht es kaum normaler.
Ich hatte gestern noch nicht das Diagramm durchgeschaut als ich es hier gepostet habe.
Aber es scheint mir dass hier doch schon Caps ausgetauscht worden sind, da die Elkos für die Kanäle im Diagramm 12000uF 56V sind und im Verstärker aber 8200uF 56V sitzen. Genauso wie die ganzen anderen kleinen Caps, dass sind auch nicht die, die dort im Datenblatt beschrieben sind, deshalb sag ich ja, dass diese so komische Werte haben.
Nun gut, da muss ich mir scheinbar mal ne Liste machen und alle bestellen und austauschen. Aber wo bekomme ich 12000uF 56V Elkos her :???
Ich möchte Nichicon am Liebsten wieder einbauen...finde aber nur diese hierhttp://ep.yimg.com/ca/I/yhst-26587749712781_2200_2829022 (http://ep.yimg.com/ca/I/yhst-26587749712781_2200_2829022)und die kosten schon 30$ pro Stk. aus Japan oder Thailand...
Wie sieht es eigentlich aus, wenn ich welche mit höherer uF oder/und Volt Angabe einbaue, ist dass so gut für mein Gerät?
Ich mein, die Ladeleistung ist ja nicht wirklich entscheidend, aber wie sieht es mit der Spannung aus?
EDIT: hat sich erledigt, hier wurde es sehr gut beschriebenhttp://www.elko-verkauf.de/low-esr-typen/90-low-esr-definitionen/264-andere-elkowerte.html?showall=1 (http://www.elko-verkauf.de/low-esr-typen/90-low-esr-definitionen/264-andere-elkowerte.html?showall=1)
Das hab ich mir auch gedacht, dass die da jemand ausgetauscht hat und du dann nach dem Plan die originalen einbauen solltest.
Und wie da schon erklärt wurde, höhere Spannung geht immer, höhere Kapazität nur manchmal.
Das mit den 12mF Elkos ist schon schwierig. Hab welche bei Farnell gefunden, aber auch nicht von Nichicon. Und günstig sind die da auch nicht. Aber es sind eben auch 12mF, die sind teuer, vorallem für 56V. Eventuell kannst du ja auch 50V verwenden, müsste man gucken.
Ne, auf der Elkoseite wo ich mich belesen hab, stand man sollte keine unter der Kapazität/ Spannung nehmen, schon gerade nicht Spannung.
Eine Stufe höher geht immer. Da die 56V Caps scheinbar schwer zu finden sind, werde ich also auf 63V ausweichen. Fragt sich nur welche jetzt noch gleichwertige Qualität wie Nichicon liefern...
Also mehr als 15€ pro Cap werd ich bestimmt nicht ausgeben wollen, denn die Nichicon Gold Reihe kostet ja gerade schon 20€ Stk.
Was hättest du gemacht, wenn auf der Elko-Seite gestanden hätte, dass man die haltbarkeit von Elkos verdreifachen kann, wenn man sie von einer Brücke wirft?
Nur zu deiner Information:
Die bei dir verwendeten Elkos haben offenbar ne maximale Nennspannungsfestigkeit von 56V. Mit was für Spannungen arbeitet der Verstärker denn intern? Meistens sind das 24 V oder 48 V. Das solltest du mal klären.
Normalerweise werden die Elkos in solchen Geräten bei der Spannungsfestigkeit mit 10 - 20% Überschuss ausgelegt. Im Worst-Case also 56 V * 0,9 = 50,4 V. Glaube aber eher nicht, dass das Gerät intern mit 50 V arbeitet.
Dann stellt sich die Frage der Kapazität:
Es kommt auf den Einsatzort an. Im NF-Weg kann eine zu große Kapazität filter verstimmen und den Frequenzgang verschieben. Bei der Leistungselektronik und beim Puffern ist das "eher egal", da geht auch ohne Probleme mehr.
Kleine Klugscheiß-Anmerkung: Diese Audio-Kapazitäten sind meist bipolare Elkos. @ Ralle: Abgesehen von Tantal und Elko (abgesehen von den Bipolaren) ist fast jede Kapazität bipolar.
Aber zurück zum Thema: Du solltest erstmal identifizieren WAS genau der Elko macht, bevor du wesentlich zu viel Geld für einen ach so teuren mit Gold bedampften (juhu wir erhöhen den elektrischen Widerstand zu gunsten der Haltbarkeit) Superhelden Kondensator da reinbaust. Denn > 5€ für eine Kapazität auszugeben ist schon wucher - auch hochwertige kosten nicht mehr. (Die ganzen "Audiophilen", die meinen, dass sie den unterschied bei "hochwertigen Kondensatoren" hören haben eh nen Schuss...)
Gruß
Der Selbige!
Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 11:04:44
Ne, auf der Elkoseite wo ich mich belesen hab, stand man sollte keine unter der Kapazität/ Spannung nehmen, schon gerade nicht Spannung.
"Auf der Seite steht aber" ... ich weiß schon, was ich sage, keine Angst. Ich kenn mich da etwas aus.
Danke Elko, genau meine Meinung ;D
Bei solch ausreichenden Test wie auf der Seite, kann man dem schon glauben schenken...
Keine Ahnung was der intern verwendet, aber hättest du den Thread aufmerksam gelesen, wär dir dasverlinkte Datasheet aufgefallen ;)
Die Elkos werden mit 20% Überschuss ausgelegt.
Die hier sind für die Endstufen.
Leider kosten hochwertige schon mehr als die von dir behaupteten 5€, scheint mir nicht als ob du da sehr marktnah wärst...
Bei den Audio-Caps gehts so wie ich dass gesehen hab speziell um low ESR.
Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 18:48:58
Bei solch ausreichenden Test wie auf der Seite, kann man dem schon glauben schenken...
Das heißt leider auch nichts. Andere machen ausführliche Tests und Beobachtungen zu UFOs, gesegnetem Wasser, Beeinflussung von Orgnismen durch elektromagnetische Strahlung, schlechtem Karma in der Wohnung, Geisteraustzreibung, Flüchen ... alles trotzdem nicht so sehr glaubwürdig, wenn der gesunde Menschenverstand schon ausreicht, um das zu erkennen.
Hab da wie gesagt auch schon genug erlebt, was den Audiobereich betrifft. Das wird teilweise hochgradig "professionell" gemacht und ist trotzdem Bullshit, weil die Erklärungen lückenhaft sind und die Tests einige Sachen ausblenden. Aber ich hab keine Lust diese Diskussion darüber, was wie viel bringt, nicht bringt und warum nicht unbedingt ausgiebig führen, denn das Ausmaß ist riesig, um das alles jemandem beizubringen, der a) kaum Hintergrundwissen hat und b) es sowieso nicht glauben will.
Ja, Low-ESR ist da höchstwahrscheinlich das, worauf es ankommt. Aber an sich sind solche guten Elkos auch nicht teurer als 5€. Teuer wird es nur bei sehr hohen Kapazitäten, was bei den zwei Elkos hier der Fall ist.
Der Preis hängt aber auch sehr von der Bezugsquelle ab, ob man nun Endverbraucher ist, oder sich den Kram bei Großhändlern besorgt.
In dem Datenblatt wird eine Spannung von "49 (40)" angegeben. Wäre vielleicht sinnvoll die Spannung mal zu messen. Wenn es 49V sind, kannst du keine 50V-Elkos nehmen. Sind es aber nur 40V, geht das schon.
Gut zu wissen undwo messe ich da genau?
Eingang Kondensator gegen Masse.
aber ob der Kondensator noch die volle Ladekapazität erreicht kann ich nicht messen oder?
Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 18:48:58
Bei solch ausreichenden Test wie auf der Seite, kann man dem schon glauben schenken...
Der Test den der gute Onkel auf seiner Seite gemacht hat soll lediglich zeigen, dass die Elkos ihr zeitliches verhalten lediglich mit der Kapazität und nicht mit der Spannungsfestigkeit ändern. Wer sich ein bisschen in der Elektrotechnik auskennt der weiß das aber auch.
Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 18:48:58
Keine Ahnung was der intern verwendet, aber hättest du den Thread aufmerksam gelesen, wär dir dasverlinkte Datasheet aufgefallen ;)
Das Datenblatt ist mir durchaus aufgefallen und ich habe noch eine Überraschung: Ich habe es mir sogar angeschaut. Leider zeugt dieses nicht gerade von Vollständigkeit geschweige denn dass man zum Trafo nen gescheites Datenblatt findet. Daher kann man über die Betriebsspannung nur mutmaßen, da sie in keinem Schaltplan deutlich gekennzeichnet ist.
Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 18:48:58
Die Elkos werden mit 20% Überschuss ausgelegt.
Von dir oder von dem Hersteller? Das was ich geschrieben habe ist der grobe, gängige Daumenwert. Keiner sagt, dass sich der Hersteller daran gehalten hat.
Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 18:48:58
Die hier sind für die Endstufen.
Hast du dir mal angeschaut, was genau die Elkos da in der Endstufe macht? Allein OHNE in den Schaltplan zu gucken weiß man mit etwas erfahrung schon, dass alles > 470µF NICHT im Signalweg sondern in der Pufferung sitzt - die sinnlose Diskussion, ob Püfferelkos nich doch indirekt im Signalweg sitzen lassen wir an dieser stelle mal sein. Bei der Pufferung kommt es, wie ja offensichtlich schon festgestellt wurde, auf geringe Innenwiderstände der Kondensatoren an. Ideal wäre daher Tantal, die sind aber zu teuer und in den Kapazitätsgründen auch viel zu groß. Daher nimmt man LOWESR Elkos. Man wundere sich, dass diese auch in Aluminium-Elektrolyt-Bauweise gefertigt werden. Das Elektrolyt IN den Kondensatoren - was übrigens die Kapazität ausmacht (für die, die es nicht wissen) ist demnach gleichwertig.
Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 18:48:58
Leider kosten hochwertige schon mehr als die von dir behaupteten 5€, scheint mir nicht als ob du da sehr marktnah wärst...
"Sehr marktnah" ist so ne aussage. Da ich in einem durchaus größeren Elektronikunternehmen arbeite und dort unter anderem der Entwurf von Hardware ist will ich dazu mal nichts sagen.
Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 18:48:58
Bei den Audio-Caps gehts so wie ich dass gesehen hab speziell um low ESR.
Siehe was ich geschrieben habe. Es geht um den Innenwiderstand, damit auch bei großer aussteuerung der Endstufe genügent Strom geliefert werden kann und das Netzteil nicht in die Knie geht. Daher möglichst geringer innenwiderstand. Das schlicht und ergreifend Pufferelkos. Die verwenden bei den Dingern teilweise sogar vergoldete Beinchen. Jeder, der 9-Klasse Physik hinter sich hat weiß, dass das bis auf die längere Lebensdauer der Bauteilbeinchen keine Vorteile, eher Nachteile mit sich bringt.
Zitat von: Dragoon am 04. September 2012, 19:41:52
aber ob der Kondensator noch die volle Ladekapazität erreicht kann ich nicht messen oder?
nicht im eingebauten Zustand, das geht nur über den Strom.
Und dann soll ich auch noch durchblicken bei dem Datasheet :P
Takeshi hat mir ja die Betriebsspannung mitgeteilt, scheinbar hat er es doch gefunden ;)
Die 20% haben zumeist die Elkos mit höheren Ladekapazitäten, auch der momentan verbaute.
Rein vom logischen her würde ich bei einer so hohen ladekapazität davon ausgehen dass diese als Filter im Netzteil genutzt werden, dies konnte ich aber aufgrund des Datasheet noch nicht ganz nachvollziehen. Deshalb bin ich ja auf euere Hilfe angewiesen.
Also ich hab wie gesagt sehr viel gesucht und keine unter 10€ gefunden die was taugen mit der Kapazität.
Dann erklär mir mal wie ich das testen kann im ausgebauten Zustand via des Stroms.
Also Input Festgelegt und messen was noch rauskommt oder wie?
Die Spannung konnte ich auch nur raten, weil da halt zwei Spannungen stehen, 49V und 40V. Außerdem sind das die Spannungen am Elko, nicht die des Trafos. Die lässt sich zwar dadurch schätzen, das ist aber auch überflüssig.
Messen kannst du die Spannung direkt zwischen den beiden Anschlüssen des Elkos. Auf die Spannung kommt es ja auch an, die zwischen den beiden Anschlüssen.
Die 20%, die da angegeben werden, sind die Fertigungstoleranz. Das heißt ein 12mF-Elko kann auch 9,6mF oder 14,4mF haben. Mit der Spannung hat das nichts zu tun.
Die Kapazität lässt sich nur sehr schwer messen bei so großen Kapazitäten und die ist auch noch frequenzabhängig. Über die Innenwiderstände weißt du dann außerdem auch noch nicht unbedingt was, wobei das auch für die gemessene Kapazitätsänderung mit verantwortlich ist (ich hoffe, damit erzähle ich jetzt keinen Mist, denk aber nicht).
Der Kondensator glättet nur die Spannung vom Trafo, die vorher mit dem Brückengleichrichter gleichgerichtet wurde.
stimmt die Brückengleichrichter hab ich ganz vergessen, werden die nicht überfordert wenn ich höhere Werte einbaue?
Die haben doch auch eine Toleranzgrenze...
Puh, hier fehlen ganz offensichtlich grundlegende Kenntnisse im elektrotechnischen Verständnis (die fehlten mir auch mal, so ist es nicht). Das erklär ich dir gleich, das dauert etwas länger. Muss erstmal etwas erledigen.
Ich hoffe ja mal dass der Gleichrichter nicht so knapp bemessen ist.
Bei Erhöhung der Kapazität kann die Sicherung bestenfalls ansprechen
weil der Einschaltstrom etwas höher ist. Je größer die Kapazität desto höher der
Einschaltstrom. :-\
Ich erkläre es etwas ausführlicher als vielleicht nötig, aber so lernst du vielleicht gleich ein wenig für die Zukunft. Ich hoffe ich verlier nicht den Faden.
So ein Trafo gibt eine Sinus-Spannung heraus, sagen wir mal 29V. Das ist allerdings der Effektivwert, der Spitzenwert liegt beim Wurzel-2-fachen (1,41), also bei 41V. Der Brückengleichrichter dreht die negatioven Halbwellen um und reduziert die Spannung um 1,4V (2 Dioden je 0,7V Durchlassspannung; hier wieder etwas anders, aber nicht so wichtig). Der Kondensator lädt sich auf, wenn die Spannung vom Brückengleichrichter größer ist als die Spannung des Kondensators. Er entlädt sich, wenn Strom von durch die Last gezogen wird. Dadurch erhält man hier eine Spannung, die ungefähr bei der Spitzenspannung des Trafos liegt. Das zum prinzipiellen Aufbau erstmal.
Die Spannung an einem Kondensator steigt bei einem Gleichstrom linear an. Lädst er sich nach 1ms also um 2V auf, dann nach 5ms um 10V. Der Strom ist aber nicht konstant, denn mit steigender Spannung UC sinkt der Strom. Stell dir die Seite vor dem Trafo wie eine ideale Spannungsquelle U0 vor, dazu ein Innenwiderstand Ri. Der Strom durch den Widerstand berechnet sich mit UR / Ri und die Spannung erhälst du durch U0 - UC -> I = (U0 - UC) / Ri
Der Kondensator lädt sich deshalb nach einer e-Funktion auf, wird deshalb mathematisch gesehen nie voll. Nun sagt man aber, dass er nach 5τ (Tau) voll ist, mit τ = R * C. Der (sehr kleine) Innenwiderstand der Spannungsquelle bleibt gleich, C wird aber größer, damit braucht der Kondensator länger, bis er voll ist. Dadurch ist die Spannung länger klein, der Strom aus dem Netz also länger hoch. Der Einschaltstrom ist damit eigentlich immer gleich, denn er ist nicht von der Kapazität abhängig. Die Spannung an dem Kondensator ist ja 0V, die gesamte Spannung fällt am Innenwiderstand ab. Doch der Effektivwert über eine etwas längere Zeit ist höher, was mit "Einschaltstrom" meistens gemeint ist. Ist der Kondensator einmal geladen, die Spannung also nahe am Maximum, macht die Kapazität kaum noch etwas aus.
So viel esteinmal zum Kondensator, nun zu den Dioden. Dioden schalten durch, wenn die Spannung einen gewissen Wert überschritten hat. Danach juckt die Spannung überhaupt nicht mehr, nur noch der Strom. Die Spannung an der Diode ist nämlich immer ungefähr 0,7V, ganz egal, was für eine Spannung du am Gleichrichter anlegst. Wichtig ist die Spannung nur, wenn die Diode in Sperrichtung betrieben wird, was ja in 50% der Zeit vorkommt. Die Spannung wird aber nur von der Spannungsquelle bestimmt.
Dioden haben beim Strom zwei Kenngrößen, nämlich den Dauerstrom und den Spitzenstrom, letzterer um ein Vielfaches größer. Beide hängen von der Temperatur der Diode ab, diese wiederum von der Kühlung, diese vom Gehäuse. Der maximale Strom wird demnach durch das Gehäuse maßgeblich bestimmt. Der Strom wärmt die Diode auf, das Gehäuse kühlt gleichzeitig ab. Der Strom, bei dem das im Gleichgewicht ist und die Diode die maximale Temperatur erreicht, ist der maximale Dauerstrom. Das Gehäuse hat aber auch eine Wärmekapazität. Ist sie kalt und es fließt ein hoher Strom, nimmt es die Wärmeenergie schneller auf, als es diese an die Luft abgibt. Dadurch kann der Spitzenstrom erstmal unendlich hoch werden, wenn er unendlich kurz wäre. Allerdings kann die Wärme auch nicht ganz so schnell an das Gehäuse abgeführt werden, der Spitzenstrom ist damit auch begrenzt.
Den Spitzenstrom hast du jetzt nur beim Einschalten über eine ganz kurze, mit einem größeren Kondensator etwas längere Zeit. Das wird die Diode kaum killen, die kann da wesentlich mehr ab.
Die Sicherung wird das auch überleben, da der Dauerstrom sich nicht ändern wird. Sicherungen brennen bei der Überschreitung des Nennstroms nicht sofort durch. Die können sogar für mehrere Sekunden das Doppelte und mehr. Und da der Strom nur beim Einschalten höher ist, wird auch das nichts ausmachen. Und wenn doch, ist die echt sehr knapp bemessen und flink, dann tauschst du die einfach aus.
Ich möchte Takeshis Ausführungen mal etwas erweitern:
Nach dem Gleichrichten wird die in den Elkos gespeicherte Spannung genutzt, um die Vorstufe und die Entstufe zu versorgen. In diesem Fall kommt - insofern ich das richtig gelesen habe - eine MOSFET Endstufe zu einsatz. Der Strom der Vorstufe und der sonstigen Elektronikspielereien braucht auch etwas von dem Gleichstrom, das ist aber im Vergleich zur Endstufe verschwindend gering.
Warum müssen jetzt die Elkos aus dem Netzteil "low-ESR" und groß sein? Damit wir in unsere Endstufe auch Leistung bekommen! Wenn der Verstärker eine (laut Datenblatt) Dauerleistung von 2x 60 W kann, dann muss an der angegebenen 8 Ohm Last dauerhaft 2,7 A fließen. Für zwei Kanäle macht das schonmal dezente 5,4 A. Und das ist nur das, was bei Volllast dauerhaft durch den Lautsprecher muss. Die Spitzenlast kann teilweise > 150 W und mehr erreichen.
Das alles müssen die Elkos puffern können, schließlich haben wir von Halbwelle zu Halbwelle eine Totzeit.
Ok, aber warum jetzt low ESR? Der Innenwiderstand dieser Elkos ist geringer als bei standard Elektrolyt, daher können sie sich schneller laden und entladen. (Rechenbeispiel schenke ich mir mal).
Ich denke mal jetzt ist verständlich geworden, dass die Elkos, die NICHT direkt im Signalweg liegen groß und "schnell" sein müssen. Und das kann jeder handelsübliche < 5€ Elko, 12 mF oder so auch leisten. Gibts übrigens bei Farnell für 2,95€.
Wenn man Kondensatoren zum entkoppeln der Signalwege nimmt, dann haben sie eine komplett andere Funktion UND müssen komplett anders dimensioniert werden. Dabei kommt es eher auf rauscharmes verhalten an. Dafür nimmt man ganz gern Keramik. Allerdings habe ich noch KEINEN Bipolar-Elko mit 12 mF gesehen. Wäre auch blödsinn, das ding kann man bei der größe schon fast weglassen.
Zitat von: Elko am 04. September 2012, 22:55:04
(Rechenbeispiel schenke ich mir mal)
Ist aber eigentlich auch ganz simpel. Wie schon erklärt gilt ein Kondensator nach 5τ als geladen, oder aber entladen, wenn er nicht geladen, sondern entladen wird. Der Elko ist für diesen Fall als Spannungsquelle zu sehen und der ESR repräsentiert den Innenwiderstand. Ist der hoch, sinkt der maximale Strom und die Spannung bricht bei gleichem Strom mehr ein (Spannungsteiler). Der ESR beeinflusst auch das τ, da τ = R * C, R ist dann wieder der ESR. Das entladen geht also langsamer, das wollen wir aber nicht.
Puh, dass war ja viel Theorie, aber danke dass ihr euch die Zeit genommen habt es mir so genau zu erklären :)
Ich hab Elkos gefunden die ich jetzt dafür verwende: Nippon Chemi-Con 12000uF 80V, kosten 8,95€ Stk.
Im momentanen Zustand wird der Verstärker auch ganz schön heiß ist mir aufgefallen.
Ob es jetzt an den falschen Bauteilen liegt, die da ausgetauscht worden sind oder an den 4Ohm Boxen an den 8Ohm Kanälen...denn irgendwohin muss ja die Mehrleistung und der Verstärker wandelt diese dann in Wärme um...so jedenfalls mein Verständnis.
Ich hab mal gelesen dass viele einen zusätzlichen Lüfter in Ihren Verstärker einbauen.
Ist sowas überhaupt ratsam?
Ich hab noch einen 120mm PC-Lüfter hier rumfliegen, den würde ich dann einbauen.
Solche Verstärker sind meistens auf Leistungsanpassung eingestellt (so hab ichs zumindest in der Schule damals gelernt) und die maximale Leistung bekommst du heraus, wenn der Innenwiderstand einer Spannungsquelle gleich dem Lastwiderstand ist. Und das heißt auch, dass dir der Verstärker selbst genau so viel Leistung verbrät, wie er auf die Lautsprecher gibt, der Wirkungsgrad liegt also nur bei 50%. Ich denke aber fast mal, dass die einen Mittelweg zwischen Ausgangsleistung und Wirkungsgrad gewählt haben, damit nicht ganz so viel Leistung verbraten wird, die Hitze muss ja auch weg und 100W oder mehr sind nicht mal eben so passiv gekühlt.
Einen Lüfter einzubauen könnte tatsächlich mehr bringen als irgendwelche "Superhelden Elkos" (;D). Mit der Temperatur ändert sich nämlich die Kennlinie von Transistoren und damit der Frequenzgang des Verstärkers. Jetzt bleibt nur noch die Frage, für welchen Betriebsfall der Verstärker optimiert wurde, für kalt oder heiß? Wenn er so gebaut wurde, dass er möglichst linear verstärkt, wenn er heiß ist, wäre der Lüfter sogar nachteilig. Das müsste dann mal jemand raushören, am besten ohne zu wissen, ob das Teil gerade heiß oder kalt ist, damit keine psychologische Komponente einfließt was nämlich meistens der Grund für gehörte Unterschiede ist.
Jetzt ganz von dem was du mir sagst, ist mir aufgefallen, dass der Klang um etwas abnimmt, wenn der Verstärker etwas länger läuft. Ja, es ist tatsächlich hörbar, der Klang wird dumpfer. Kann aber auch daran liegen, dass die Bauteile an Ihre Grenze stoßen oder nicht mehr volle Funktion aufweisen. Da möchte ich mich jetzt nicht festlegen.
und was wurde aus dem Thema, alle kondis mal getauscht und der Verstärker hörte sich normal an ? :???
ehm, ne die Kosten für die Goldcaps/ Bigcaps wären mir zu hoch gewesen mit 80€ und wenn es nachher nicht die Ursache war, hätte ich dumm dargestanden. habe mittlerweile einen Onkyo TX-NR626 und der Pioneer steht im Keller.
das ist wirklich schade, da ein alter pioneer Stereo verstärker mehr Klang hat als die neumodischen AVR´s :-\
der wird ja nicht weggeworfen, nur irgendwann mal wieder ausgepackt wenn es Geld und die Zeit da ist und dann komplett überholt :)