Autor Thema: Röhrenfernseher  (Gelesen 722 mal)

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gears

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Re: Röhrenfernseher
« Antwort #15 am: 24. September 2019, 12:12:37 »
Gibts da solche Qualitätsunterschiede beim\im Bild?

@Takeshi, du meintest zu Anakin94 kein 100Hz Fernseher. Was ist da der entscheidende Unterschied zu einem 50 Hz Fernseher?

Bei Röhrenfernseher eher gebogener Display oder gerades?
« Letzte Änderung: 24. September 2019, 12:14:25 von gears »

Takeshi

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Re: Röhrenfernseher
« Antwort #16 am: 24. September 2019, 18:12:26 »
Gibts da solche Qualitätsunterschiede beim\im Bild?

Auf jeden Fall! Das hat viele Gründe.

Ein ganz trivialer Grund ist die kleinere Diagonale. Auf einem kleineren Fernseher ist die Informationsdichte größer. Röhrenfernseher sind in der Regel kleiner als Flachbildfernseher.

Die Signalverarbeitung und die Anzeige ist bei Röhrenfernsehern eine ganz andere. Bei Röhrenfernsehern ist die Signalverarbeitung in der Regel analog*1 und die Information wird dann "einfach direkt" auf die Röhre geworfen. Bei Flachbildfernsehern (egal ob Plasma, LCD oder OLED) wird das Signal direkt digitalisiert, dann wird viel herumgerechnet, um es auf die Display-Auflösung anzupassen und dann wird es pixelgenau angezeigt. Diese pixelgenaue Anzeige gibt es bei Röhren nicht, das ist nicht möglich. Das ist für moderne Sachen meist negativ, hat aber auch positive Effekte. Böswillig formuliert könnte man sagen, das Bild wird vermatscht, aber das auf eine Weise, die sich positiv auf das Bild auswirkt und wie es irgendwie kein digitaler Filter hinbekommt. Ein Bildpunkt einer Röhre muss nicht vollständig leuchten, die Leuchtkraft kann sich lokal in einem "Pixel" unterscheiden. Und dann kann ein anzuzeigendes Pixel auf mehreren Bildpunkten der Röhre dargestellt werden, weil eben nicht genau ein Bildpunkt getroffen wurde. Gerade bei Pixelgrafiken wie die vom SNES sieht man dann eben keine eckigen Pixel, auch wenn man natürlich Pixel erkennt. Man darf nicht vergessen, die Spiele wurden damals für die Anzeige auf Röhren gemacht und so wurde der Effekt bewusst genutzt, um Konturen und Farbverläufe zu erzeugen. Ich denke bei 3D-Grafiken ist der psotive Effekt nicht so groß, aber trotzdem sieht eine PS1 auf einer Röhre irgendwie besser aus. Warum, kann ich mir noch nicht vollständig erklären. Vielleicht sollte ich mal in einem Test Vergleichsfotos anfertigen, um das zu demonstrieren. Leider ist das mit Fotos etwas schwierig, TV-Bilder sehen da immer total anders aus.

Abgesehen davon gibt es Scan Lines, also schwarze Linien auf dem Bild, die daher rühren, dass je nach Zeilenanzahl des Bildes nicht die komplette Röhre ausgeleuchtet wird. Das kommt durch den eben beschriebenen Effekt, dass der Strahl im Zentrum zu einem starken Leuchten führt und am Rand weniger. Wenn dann noch zwischen zei Linien Bildpunkte gar nicht getroffen werden, sieht man diese dunklen bis schwarzen Linien. Der Effekt wird bei Emulatoren gern versucht nachzumachen, allerdings ist das für mich der unwichtigste Punkt, eigentlich ist das noch nicht mal positiv, es ist nur charakteristisch für eine Bildröhre und weckt daher bei vielen Nostalgiegefühle.

*1 Bei 100 Hz ist die Verarbeitung nicht nur analog, siehe nächster Punkt.

@Takeshi, du meintest zu Anakin94 kein 100Hz Fernseher. Was ist da der entscheidende Unterschied zu einem 50 Hz Fernseher?

Die Standard-Variante ist 50 Hz, womit in dem Kontext stillschweigend auch 60 Hz gemeint ist. Dabei wird das Bild in zwei Halbbilder geteilt. Es werden 50 Halbbilder pro Sekunde angezeigt, die zusammen 25 Vollbilder ergeben. Bei stehenden Bildern führt das aufgrund des Zeilensprungs zu einem leichten Flackern, weshalb man die Bildwiederholrate verdoppelt hat. Bei Signalen mit 50 Hz bekommt man also 100 Hz auf der Röhre angezeigt, bei 60 Hz werden daraus 120 Hz. Es heißt aber immer 100 Hz. Dazu wird das eingehende Signal digitalisiert, es werden Zwischenbilder berechnet, diese wieder analog gewandelt, verstärkt und auf die Röhre gegeben. Da die Zwischenbilder auf Informationen beruhen, die es so eigentlich gar nicht gibt, ist das schon in der Theorie eine negative Verfälschung. Praktisch war die Berechnung in der damaligen Zeit noch sehr schlecht, heute würde das vielleicht besser gelöst werden. Aber unabhängig davon gibt es eine unnötige Analog-Digital-Analogwandlung, die ebenfalls das Bild verschlechtern kann. Das hielt ich früher für das Hauptproblem, allerdings hab ich vor kurzem festgestellt, dass auch in klassischen 50-Hz-Fernsehern Signalprozessoren sitzen, die die eingehenden Signale digitalisieren und später wieder analog herausgeben.

Lustigerweise führt die 100-Hz-Technik zwar zu flackerfreien stehenden Bildern, aber Bewegtbilder ruckeln, es gibt Artefakte, die Farben und der Kontrast werden schlecht, teilweise wie bei einem richtig billigen LCD.

Bei Röhrenfernseher eher gebogener Display oder gerades?

Ziemlich egal, da die Röhre immer gebogen ist. Bei flachen Röhren sind die Ränder nur mit Glas aufgefüllt, wodurch die Front plan wird. Ich hab da noch keine negativen Effekte gesehen.

gears

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Re: Röhrenfernseher
« Antwort #17 am: 24. September 2019, 18:58:54 »
Gibts da dann Ausnahmen (welche die nichts umwandeln) oder machen das auch alle 50Hz Fernseher, nur eben "etwas direkter" als die 100Hz Fernseher?

Takeshi

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Re: Röhrenfernseher
« Antwort #18 am: 24. September 2019, 19:33:00 »
Es gibt definitiv Fernseher, die da gar nichts digital wandeln, das gab es früher schließlich einfach nicht. Ab wann was die Regel und was die Ausnahme ist, das kann ich nicht sagen. Allerdings fällt das bei meinen Fernsehern absolut nicht negativ auf. Mir ist das nur aufgefallen, als ich mir bei denen den Schaltplan ansah, um herauszufinden, ob und ggf. wie man mit denen auch YPbPr direkt verarbeiten kann. Vorher war mir das nicht bekannt.